Wann kamen die Häftlinge nach Friedrichshafen?

 

 

 

Mit der Entwicklung der so genannten „Wunderwaffen V2“ während des zweiten Weltkriegs plante man auch in Friedrichshafen bei der Firma Luftschiffbau Zeppelin GmbH ein Serienwerk für die Herstellung der A4 (V2) Raketen. Für diesen Zweck wurde eine nicht mehr benötigte Zeppelin-Halle auf dem Flugfeld in Friedrichshafen demontiert und auf dem Werftgelände der Firma Zeppelin wieder aufgebaut. Da die Rüstungsbetriebe in Friedrichshafen durch den zunehmenden Abzug von deutschen Arbeitern an die Front, Probleme mit der reibungslosen Fertigung von Kriegsgütern bekamen, setzte man hier zunehmend Kriegsgefangene und Zwangsverpflichtete ausländische Arbeitnehmer in der Rüstungsindustrie ein. Da diese Arbeitskräfte aber nicht ausreichten, suchte man nach anderen Möglichkeiten. Mit Einsatz des „Sonderausschuss A4“ durch den Reichsminister für Bewaffnung und Munition im Januar 1943 wurden unter der Leitung von Direktor Degenkolb verschiedene Arbeitsstäbe eingerichtet. (*14) Einer dieser Stäbe war der Stab „Arbeitseinsatz“ unter der Leitung eines Herrn Jaeger. Am 8. oder 9.4.1943 schlug dieser Herr Jaeger vor KZ- Häftlinge an Stelle von Kriegsgefangenen zu verwenden. (*15) daraufhin besichtigten Dir. Köster (Sonderausschuss A4) und Dir. Rudolph (Versuchsserienwerk Peenemünde) am 12.4.1943 den Häftlingseinsatz bei den Heinkel Werken in Oranienburg. In der Aktennotiz vom 16.4.1943 äußerte sich dann Dir. Rudolph positiv über einen Einsatz von KZ-Häftlingen: „Der Beitrieb von F1 kann mit Häftlingen durchgeführt werden.... „(F1 = Fertigungshalle 1 des Versuchsserienwerkes in Peenemünde). (*13) 

Parallel zur Diskussion eines KZ-Häftlingseinsatz und der Empfehlung von Dir. Rudolph, befanden sich Dir. Dornberger mit einem Teil des Arbeitsausschusses vom 13.4.1943 bis zum 20.4.1943 auf einer Dienstreise nach Friedrichshafen und Wien. Auf dieser Dienstreise wurde auch der Einsatz von KZ-Häftlingen in Friedrichshafen bei Zeppelin und den Rax Werken in Wiener- Neustadt besprochen. Aus der Aktennotiz dieser Dienstreise, vom 24.4.1943 ist zu entnehmen: Zur Klärung der Arbeitseinsatzfrage für das Programm des Sonderausschuss A4, in Sonderheit LZ und Rax- Werke, soll bald möglichst Gauleiter Saukel nach Peenemünde geholt werden... „(BA-MA RH8 1959, 146) In wie weit Degenkolb bei der Besprechung in Friedrichshafen über die Empfehlung Dir. Rudolph Bescheid wusste ist nicht bekannt. Auf jedenfalls wurde spätestens mit der Aktennotiz der Dienstreise vom 24.4.1943 auch der Einsatz von Häftlingen in Friedrichshafen in Gang gesetzt! Ein genaues Datum über den tatsächlichen Beginn des Einsatzes von KZ-Häftlingen für die Fertigung des A4 der Baureihe „A“ bei Zeppelin nicht bekannt, man kann aber den Zeitpunkt recht genau einschränken.

 

Konzentrationslager Dachau

Arbeitslager Friedrichshafen – (Saulgau)

 

Nach Recherchen Georg Metzler (02) „Geheime Kommandosache“ (Raketenrüstung in Oberschwaben. Das Außenlager

Saulgau und die V2 (1943-1945)) bestand das KZ Arbeitslager Friedrichshafen insgesamt 15 Monate, vom 22.6.1943 bis

26.9.1944. Allerdings ist die Quellenlage für das Startdatum sehr dürftig und auch das Enddatum kann man nur für die

Unterkünfte in Friedrichshafen so stehen lassen.

Das „Arbeitslager Friedrichshafen“ als Zweigstelle des KZ Dachau war ein direkt an die Zeppelin Luftschiffbau GmbH und deren Fertigung der V2 Raketen Teile gebundenes Arbeitslager. Die Auslagerung der Fertigung, einschließlich der Arbeitskräfte außerhalb des Zeppelin Werkes in Friedrichshafen, beendete nicht den Bestand des „Arbeitslager Friedrichshafen“! Am 30.6.1943 kamen die ersten belegbare 150 Häftlinge nach Friedrichshafen und danach fast täglich, aus dem gesamten Einzugsbereich des KZ Dachau neue Häftlinge teilweise direkt aus dem Polizei Gewahrsam nach Friedrichshafen. Fast parallel zu den KZ Unterkünften in Friedrichshafen, die vom bestehenden „Fremdarbeiter Lager Don“ übernommen wurde, richtete die Firma Zeppelin Luftschiffbau GmbH in Saulgau, in den Werkshallen der Firma Bautz eine Auslagerung der A4 (V2 Rakete) Teile Fertigung ein. Ein Teil der, für die A4 Teile Fertigung vorgesehenen KZ Zwangsarbeiter wurden für diese Ausgelagerte Fertigung bei Bauz untergebracht. Die erste Datierung des neu entstehende (neben-) Arbeitslager Friedrichshafen – Saulgau, nennt den 14.8.1943. Allerdings ist dieses Datum nicht eindeutig bestätigt! Bis zum 31.12.1943 wuchs die Anzahl der für die Zeppelin Luftschiffbau GmbH eingesetzten KZ-Häftlinge in beiden Lagern zusammengefasst auf rund 1200 Häftlinge an. Diese Zahl steht aber nur für den Zeitpunkt des 31.12.1943! Die Gesamtzahl der für den Luftschiffbau tätigen Häftlingen dürften nach derzeitigen Recherchen, Rund 1300 Gewesen sein.

 

 

Veränderungsmitteilung des KZ Dachau vom 16.10.1944, dieses Dokument belegt, dass das „Arbeitslager Friedrichshafen“

Als „Außen Kommando Friedrichshafen- Saulgau“ weiter bestand! 

1 Inhaftierungsdokumente /  1.1 Lager und Ghettos /  1.1.6 Konzentrationslager Dachau / Listen über Häftlinge in Außenkommandos des

KZ Dachau, Oktober 1944 Signatur 8061700 IST Digital Archiv Arolsen Archiv

 

Nach 10 Monate, am 28.4.1944 wird das Lager Don durch einen Bombenangriff zerstört. 335 Häftlinge wurden dann in das Nebenlager Saulgau überstellt. Alle anderen Häftlinge wurden in das seit dem 21.11.1943 leerstehende Zwangsarbeiterlager der Heeresabnahmestelle Raderach verlegt. Willi Müller (Häftling des KZ Dachau) berichtet von ca. 700 Häftlingen (*04). Am 16.5.1944 wurden von den nach Saulgau überstellten Häftlingen, 120 zurück nach Friedrichshafen geschickt und am 18.5 und 19.5 nochmals je 5 Häftlinge.

Am 20.7.1944 wurde das Lager Don nochmals durch Bomben getroffen. Christa Tholander schreibt in ihrem Buch dazu: „danach kamen 300 Häftlinge vorübergehend nach Raderach „(* 06). Allerdings erwähnt sie W. Müllers Angaben über den Transport von 700 Häftlingen nach Raderach nicht und beschränkt die Häftlingszahl in Raderach auf entsprechend ihrer Recherche Ergebnisse auf 300 Personen und das auch nur für einige Wochen. Diese Zahlen lassen sich so nicht nachvollziehen.

Am 24.9.1944 wurden von Saulgau weiter 75 Häftlinge (77 nach unkorrekter Liste) nach Friedrichshafen überstellt und bildeten zusammen mit allen in Friedrichshafen / Raderach verbliebenen Häftlinge eine Gruppe von 762 Häftlinge. Rechnet man dazu noch die Abgänge an verstorbenen und kleinere Überstellungen nach z.B. Mauthausen ab, dann deckt auch dies die Häftlingszahl von 700 Häftlinge im Lager Friedrichshafen / Raderach.   Die unterschiedlichen Überstellungslisten belegen, dass am Schluss 587 Häftlinge in Raderach waren. Zuzüglich der 77 Häftlinge aus Saulgau, bilden sie den Transport von 762 Häftlinge nach Buchenwald und später nach Kleinbodungen. (*09) Von Kleinbodungen aus gelangten die Häftlinge am Kriegsende nach Bergen Belsen wo sie von Britischen Soldaten befreit wurden.

In Saulgau bestand im „Arbeitslager Friedrichshafen- Saulgau“ im Januar 1945 eine Lagerstärke von 433 Häftlinge von den 150 im Februar nach Überlingen überstellt wurden und Anfang April 1945 254 in das Stammlager Dachau zurückgeführt wurden. Rechnerisch blieben zuletzt am 4.4.1945 27 Häftlinge aus der V2 Raketenfertigung übrig. 5 davon konnten bisher nicht mit Namen und Häftlingsnummer identifiziert werden. Allerdings kann es sich dabei auch um einen Überlieferungsfehler handeln!  

am 4.4.1945 kam dann ein Transport von 214 Häftlingen aus Überlingen nach Saulgau der ein Teil der im Februar nach Überlingen überstellten 150 Häftlingen aus Saulgau beinhaltete.  Der entstand einen Tag vor der Befreiung betrug zuletzt 219 Häftlinge. 

 

Die hier angegebene Historie ist sehr vereinfacht da gestellt und entsprechend unkorrekt. Leider ist die Datenmenge, die noch ausgewertet werden muss derart umfangreich, dass der Inhalt dieser Webseite ständig korrigiert werden müsste. Es wird dennoch versucht wesentliche Ergebnisse immer Zeitnah in die Webseite einfließen zu lassen!     

 

Die Angaben in den bestehenden Publikationen, auch die des Stadtarchiv Friedrichshafen sind auf Grund weitergehender Forschung, seit rund 15 Jahre nicht mehr aktuell. Wer korrektere Angaben benötigt sollte sich daher an den Betreiber dieser Webseite wenden. Die Namen und Häftlingsnummern aller in Friedrichshafen und Saulgau beschäftigten Häftlingen sind bis auf 5 Personen dem Webseiten Betreiber bekannt! 

 

Das Lager Saulgau war bis zum 25.9.1944 eine Zweigstelle des Arbeitslager Friedrichshafen und danach von Überlingen – Aufkirch.

Quelle: 1 Inhaftierungsdokumente /  1.1 Lager und Ghettos /  1.1.6 Konzentrationslager Dachau /  Individuelle Häftlings Unterlagen - KL Dachau Signatur 01010602 oS

IST Digital Archiv Arolsen Archiv

 

 

 

 

 

Verstorbene Häftlinge des Arbeitskommandos

Friedrichshafen

Bisher gibt es noch keine Vollständige Liste aller Verstorbener KZ-Häftlinge die dem Arbeitskommando Friedrichshafen

Zugeordnet werden kann. Es gibt eine Nachkriegsaufstellung des Friedrichshafener Bürgermeisteramt aus dem Juli 1946

Und einige Abgangsmeldungen des KZ Dachau.

Diese Liste beinhaltet 35 Namen verstorbener Personen von denen 34, anhand der Eingangsbücher und den Schreibstubenkarten des Konzentrationslager Dachau zweifelsfrei dem KZ Dachau zugeordnet werden können.

Unter den 34 Häftlingen ist eine Person dabei die laut Schreibstubenkarte zum Außenkommando Saulgau gehört aber sich während dem Bombenangriff vom 28.4.1944 im Arbeitslager Friedrichshafen aufhielt. Bei den Recherchen nach den Insassen des Arbeitslager Friedrichshafen wurde eine Schreibstubenkarte eines ebenfalls am 28.4.1944 in Friedrichshafen verstorbenen Häftlings gefunden, die in keiner Sterbeliste vermerkt ist. 

 

Übersicht der in Friedrichshafen gestorbenen Personen die dem

Konzentrationslager Dachau zugeordnet werden können.

Die Aufstellung erfolgt Nach der Liste des Friedrichshafener Bürgermeisteramt vom 19?. Juli 1946. ( Blatt 1 , Blatt 2 )

Insgesamt kann man, unter Hinzuziehung der verstorbenen Häftlinge der Fertigung in Saulgau, der V2 Raketenteile Fertigung der

Firma Zeppelin Luftschiffbau GmbH rund 70 getötete Häftlinge rechnen.

 

Nation

Liste Nr.

Häftlings Nr.

Familiennamen

Vornamen

Geburtsdatum

Sterbetag

Ru

1

42865

Sojen

Jwan

04.01.1903

18.08.1943

Fr

2

48915

Letellier

Evremond

27.04.1910

08.10.1943

DE

3

49604

Knauf

Karl

22.03.1899

31.10.1943

Po

4

50310

Mazur

Jochan

14.04.1909

30.11.1943

Po

5

50658

Zboril

Franzisek

04.06.1900

21.12.1943

DE

6

50354

Fritz

Karl

26.01.1908

15.01.1944

Ös

7

45035

Macholda

Adolf

05.02.1899

18.03.1944

De

8

23493

Wehrheim

Kurt

07.29.1912

18.03.1944

Ös

9

43469

Spergel

Andreas

26.04.1904

18.03.1944

 

De

10

45060

Gutmann

Hugo

04.07.1898

18.03.1944

 

De

11

48931

Häberle

Wilhelm

01.09.1887

18.03.1944

 

De

12

29050

Spies

Adolf

10.02.1903

18.03.1944

 

De

13

33115

König

Otto Artur

25.12.1902

18.03.1944

De

14

37343

Kleber

Heinrich

24.03.1906

18.03.1944

 

De

15

2288

Kübler

Friedrich

14.01.1903

18.03.1944

 

De

16

38573

Kaufmann

Heinrich

27.02.1912

18.03.1944

 

De

17

41307

Springer

Karl

08.08.1889

18.03.1944

 

Ös

18

43475

Absolon

Wilhelm

28.04.1905

18.03.1944

 

De?

19

27690

Führer

Martin

03.07.1903

18.03.1944

 

Po

20

6051

Kostera

Franz

11.10.1902

18.03.1944

 

Po

21

45956

Jdczak

Mieczyslaw

26.03.1917

24.04.1944

 

 

 

Po

22

49325

Brajewski

Franzizek

26.11.1920

03.08.1944

 

 

 

Fr

23

48917

Gauthier

Jean

14.10.1911

28.04.1944

 

 

 

De

24

26870

Rührl

Johann

07.10.1913

28.04.1944

 

 

 

Fr

25

46982

Le Goff

Christophe

31.05.1920

28.04.1944

 

Ös

26

26169

Schaller

Gottlieb

09.01.1919

28.04.1944

 

De

27

27865

Bäuml

Otto

17.06.1915

28.04.1944

 

 

Fr

28

45134

Brant

Johann

28.05.1925

28.04.1944

 

Al

29

???

Gol

Michele

??.08.1917

28.04.1944

unbestätigt

Fr

30

45138

Darnet

Johann

07.10.1922

28.04.1944

 

 

 

De

31

42530

Dohmen

Johan

27.08.1909

28.04.1944

 

 

 

Po

32

49659

Fricke

Joseph

17.12.1903

28.04.1944

 

 

 

Fr

33

49588

Teuliere

Dominik

14.01.1905

28.04.1944

 

 

 

Be

34

50368

Verchewal

Paul

03.01.1918

28.04.1944

 

 

 

De

35

45711

Wernicke

Josef

10.05.1910

28.04.1944

 

 

 

Ru

36

50513

Gema

Iwan

17.07.1918

21.06.1944

 

 

Ru

37

48675

Piwowarow

Alexander

18.10.1908

21.06.1944

 

26.06,1944

Ru

38

50693

Wasiltschenko

Wasil          

08.10.1918

28.04.1944

 

 

Ru

39

50751

 

Ustinow

Iwan

04.02.1925

23.04.1944

 

28.04.1944

©2000 – 2021 Thomas Kliebenschedel

 

Quelle:

1 Inhaftierungsdokumente /  1.1 Lager und Ghettos /  1.1.6 Konzentrationslager Dachau / 

Alphabetisches Verzeichnis der Häftlinge des KZ Dachau, A-Z Signatur 8056100

 

1 Inhaftierungsdokumente /  1.1 Lager und Ghettos /  1.1.6 Konzentrationslager Dachau / 

Zugangsbuch des KZ Dachau vom 09.04.1940 - 16.03.1945 Signatur 805800

 

1 Inhaftierungsdokumente /  1.1 Lager und Ghettos /  1.1.6 Konzentrationslager Dachau / 

Schreibstubenkarten Dachau A-Z Signatur 01010607 oS

 

1 Inhaftierungsdokumente /  1.1 Lager und Ghettos /  1.1.6 Konzentrationslager Dachau /  Listen über

verstorbene Häftlinge in Friedrichshafen und Saulgau Signatur 8069700

 

IST Digital Archiv Arolsen Archiv

 

 

Häftlingsschicksale

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Der erste KZ-Häftling in Friedrichshafen.

Dippel Friedrich, ein Friseur aus Schwabach

mit der Dachauer Häftlings- Nummer 40.

 Abb. 1

….]

2.3 Friedrich (Fritz) Dippel, Schwabach Friedrich Dippel, geboren am 21.1.1892, war der uneheliche Sohn der Schwabacher Silberschneiderin Maria Dippel, später verh. Jordan, (*24.3.1868 + 10.3.1925) und Michael Fürsattel (*7.4.1873 + 25.5.1908) 1 . Er durchlief die Volksschule und absolvierte danach die Fortbildungsschule 2 . Dippel begann bei Georg Pippig in Schwabach eine Lehre zum Bader und Friseur und schloss diese erfolgreich mit der Gesellenprüfung ab 3 . Für seine Leistungen bei der Gesellenprüfung wurde Friedrich Dippel von der Handwerkskammer mit dem 1. Preis inklusive Diplom ausgezeichnet 4 . In den Jahren zwischen 1908 und 1914 hielt er sich mehrere Male abwechselnd in Deutschland und im Ausland auf 5 . Wieder zurück in Schwabach wurde er 1914 zum Kriegsdienst zum 10. Bayer. Reserve Infanterie-Regiment eingezogen und an die Westfront nach Nordfrankreich verlegt 6 . Bei Vigny (Lothringen) geriet er am 9.5.1915 in Gefangenschaft, aus der er im Februar 1920 entlassen wurde und nach Schwabach zurückkehrte 7 . Dort machte er sich in seinem Beruf als Friseur selbständig und eröffnete ein Geschäft 8 . Dippel war 1914 und 1923 in Schlägereien verwickelt, wofür er gerichtlich verurteilt wurde 9 . Er war politisch kommunistisch orientiert gewesen, was aus dem Schwabacher Polizeibericht vom 14.12.1931 ersichtlich ist, in dem er als „Führer der hiesigen Kommunisten“ bezeichnet wird 9.1. Seine Vorstrafen in seinem Lebenslauf zum Vernehmungsprotokoll im Jahre 1931 charakterisierte er als „politisch“ 10 . [……..

Dippel Friedrich wurde am …] 30.06.1933 in das KZ Dachau überstellt von wo er am 27.11.1934 wieder entlassen wurde 29. Er wurde wieder am 07.11.1936 nach Dachau verschafft 30 . Dippels erneute Inhaftierung könnte dann durchaus, sofern er entweder wegen einer Schlägerei oder einer politischen Äußerung, oder auch wegen beidem, auf Grundlage des „Gewohnheitsverbrechergesetzes“ erfolgt sein. Seit dem 7.11.1936 wurde er in mehrere Konzentrationslager verlegt: Buchenwald (ab 13.1.1937), wieder Dachau (ab 20.5.1937), Mauthausen (ab 27.9.1939), wieder Dachau (ab 18.2.1940) [….

Auszug aus: Claus Wittek, „Beschwiegene Schicksale – KZ-Opfer aus dem heutigen Landkreis Roth und der Stadt Schwabach“ Kap. 2.3; Eigenverlag; Stand: 30.07,2016

Anmerkungen zu 2.3 1-10: StAN, Gefängnisse Nürnberg 453, Lebenslauf Dippel zum Vernehmungsprotokoll und Urteil SchöffG, Az3018-3021/1931

In Ergänzung zu 8 und 9: StadtA Schwabach III.1a1.10 und IVa.42 – Hinweis per E-Mail vom 16.06.2015

In Ergänzung zu 9.1: StadtA SC II.1a.10 – Hinweis per E.Mail vom 16.06.2015

29: ITS Bad Arolsen, No. 9908791#1(1.1.6.1/0001-0189/0095/0048) Listenmaterial Dachau

30: ITS Bad Arolsen, No. 9922451#1(1.1.6.1/0001-0189/0162/0079) Listenmaterial Dachau

( mit freundlicher Unterstützung von Claus Wittek, an ihn ein großes Dankeschön ! )

 Abb. 2.

Am 30.6.1943 kam Friedrich Dippel in einem Transport von 150 Häftlingen nach Friedrichshafen in das neu eingerichtete KZ Arbeitskommando bei der Firma Luftschiffbau Zeppelin GmbH. (Abb. 2) Sie waren die ersten

KZ-Häftlinge die in der Privatwirtschaft für die Großserien- Fertigung des Aggregat 4, die sogenannte Vergeltungswaffe 2 ( V2 ) eingesetzt wurden. An erster stelle in der Reihe der tausenden KZ-Häftlingen die im weiteren Kriegsverlauf für die V2 Raketen Großserien- Fertigung eingesetzt wurden, stand Friedrich Dippel mit der Dachauer Häftlingsnummer 40! (Abb. 1.)

Nach Auflösung des KZ Arbeitskommando in Friedrichshafen kam   Friedrich Dippel am 26.9.1944 über das KZ Buchenwald am 29.10 1944 in das KZ Lager Dora und dann am 17.4.1945 nach Mauthausen. 

Nach seiner Befreiung aus dem angegliederten Nebenlager Ebensee am 6. Mai 1945 kam er am 26.05.1945 wieder zurück nach Schwabach.

 

Quelle:

Abb. 1. : 1 Inhaftierungsdokumente /  1.1 Lager und Ghettos /  1.1.6 Konzentrationslager Dachau / 

Schreibstubenkarten Dachau A-Z Signatur 01010607 oS  10022322 ITS Digital Archiv Arolsen Archiv

 

Abb2. : 1 Inhaftierungsdokumente /  1.1 Lager und Ghettos /  1.1.6 Konzentrationslager Dachau / 

02.12.1942 - 18.12.1943 Signatur 8059600 9913779 bis 9913781  ITS Digital Archiv Arolsen Archiv

 

 

 

 

 

Olenderek Zdislaus Quelle: 1.1.2 Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz /  

Fotografien von Häftlingen des KL Auschwitz / 129542668 / IST Digital Archiv Arolsen Archiv

 

Olenderek Zdislaus, geboren am 1.1.1920 in Grodzisk – Mazowiecki Pole, wurde am 10.10.1942 in Königsberg wegen Arbeitsverweigerung verhaftet und vom Landgericht Königsberg zu insgesamt 17 Wochen Straflager verurteilt. Davon soll er in einem nicht näher benannten Straflager 6 Wochen verbracht haben und weitere 11 Wochen im Straflager Hohenbruck. Allerdings wurde er von der Staatspolizeistelle Königsberg, am 24.1.1943 in das Konzentrationslager Auschwitz überstellt. Dort bekam er die Häftlingsnummer 93278. Abb. 1 / 2 / 3. Von Auschwitz aus wurde Olenderek zu einem nicht bekannten Zeitpunkt in das KZ Flossenbuerg überstellt. Von da aus wurde er am 3.7.1943 in einem Zug von 465 Häftlingen, die teils aus Neuengamme stammten, in des KZ Lager Dachau abgegeben und bekam dort die Häftlingsnummer 49351.  Abb. 4 / 5 / 6 / 7 / 8 / 9 / 10 / 11 / 12. Aus dem KZ Lager Dachau wurden aus diesem Zug ca. 120 Häftlinge zu einem nicht bekannten Datum in das seit dem 30.6.1943 mit KZ-Häftlingen besetzte Arbeitslager bei der Firma Luftschiffbau Zeppelin in Friedrichshafen abkommandiert. Die ersten 150 Häftlinge im Arbeitslager Friedrichshafen kamen am 30.6.1943. Olenderek Zdislaus gehörte nicht zu der im Buch von Christa Tholander „Fremdarbeiter 1939 bis 1945, ausländische Arbeitskräfte in der Zeppelin-Stadt Friedrichshafen „beschriebenen Vorhut, da er frühestens im Laufe des Juli 1943 nach Friedrichshafen gekommen sein kann. Von Friedrichshafen aus wurde Olenderek Zdislaus wahrscheinlich vor dem 28.4.1944 in das, ab dem 14.8.1943 entstehende Nebenlager in Saulgau überstellt.  Bei dem Transport von Friedrichshaben nach Saulgau am 28.4.1944 mit 335 Häftlingen war er auf jeden Fall nicht mit dabei. Es ist anzunehmen das Olenderek Zdislaus zu der Häftlingsgruppe gehört hat die am 14.8.1943 von Friedrichshafen aus in Saulgau eintrafen und das dortige Nebenlager des KZ Außen Kommando Friedrichshafen, bei der Firma Bauz einrichteten. Bei der Firma Bauz befand sich eine ausgelagerte Fertigung der Firma Luftschiffbau Zeppelin. Bei der Auflösung des KZ Arbeitslager in Friedrichshafen wurden keine Häftlinge nach Saulgau oder Überlingen überstellt, dafür waren beim Transport von 762 nach Buchenwald, 77 Häftlinge aus den Nebenlager in Saulgau mit dabei. Anders lautende Berichte in diversen Publikationen decken sich nicht mit den Originalen Transportlisten!  (Quellenangaben kommen noch!) Am 8.4.1945 wird Olenderek in einem Transport von 254 Häftlingen von Saulgau in das Stammlager Dachau zurück überstellt und bis zu seiner Befreiung durch die Amerikaner, im Block 16 Untergebracht. Abb. 13 / 9.   

 

 

            

Abb. 1.            Abb. 2.           Abb. 3.           Abb. 4.                            Abb. 5.           Abb 6.           Abb. 7.

 

            

 

Abb. 8.             Abb. 9.                        Abb. 10.                         Abb. 11.          Abb. 12.            Abb. 13.    (zum Vergrößern Bild anklicken!)

 

 

 

 

Abb. 1.            1.1.2 Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz / Originale HPBs / 130806948 / IST Digital Archiv Arolsen Archiv

Abb. 2./3.        1 Inhaftierungsdokumente / 1.1 Lager und Ghettos / 1.1.6 Konzentrationslager Dachau / Individuelle Häftlings Unterlagen - KL Dachau

10226827 / 10226828 / IST Digital Archiv Arolsen Archiv

Abb. 4.            1.1.6 Konzentrationslager Dachau / Zu- und Abgangslisten, 01.12.1941 - 14.08.1942 / 9938038 / IST Digital Archiv Arolsen Archiv

Abb. 5.            1.1.6 Konzentrationslager Dachau / 39.332 - 50.000 / 9897887 / IST Digital Archiv Arolsen Archiv

Abb. 6.            1.1.6 Konzentrationslager Dachau / 30.04.1943 - 31.05.1944 / 9910356 / IST Digital Archiv Arolsen Archiv

Abb. 7.            1 Inhaftierungsdokumente / 1.1 Lager und Ghettos / 1.1.6 Konzentrationslager Dachau /  

Nummernbuch und Transportlisten des KZ Dachau / 9951060 IST Digital Archiv Arolsen Archiv

Abb. 8.            1.1.6 Konzentrationslager Dachau / Block 16, Stand 1944/1945 Teil I / 9955618 IST Digital Archiv Arolsen Archiv

Abb. 9.                        1.1.6 Konzentrationslager Dachau / Schreibstubenkarten Dachau A-Z / 10718767 / IST Digital Archiv Arolsen Archiv

Abb. 10.          1.1.6 Konzentrationslager Dachau / Individuelle Häftlings Unterlagen - KL Dachau / 10226829 / IST Digital Archiv Arolsen Archiv

Abb. 11.           1.1.6 Konzentrationslager Dachau / Nad-Pau / IST Digital Archiv Arolsen Archiv

Abb. 12.          1 Inhaftierungsdokumente / 1.1 Lager und Ghettos / 1.1.6 Konzentrationslager Dachau / Listen über Häftlinge in

Außenkommandos des KZ Dachau, April 1945 und Ab- und Zugangsbuch des Kommandos Landsberg, Juli 1944 –

April 1945 / 9918941 / IST Digital Archiv Arolsen Archiv

 

 

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Quellen:

 

* (01) Häftlingsberichte und Briefe von Wilhelm Müller, Archiv der KZ Gedenkstätte

            Dachau 3.978, 5.476, 16.020, 19.405 Seite 2 bis 30.

* (02) Manfred Metzler  Geheime Kommandosache „Seite 65

* (03) Christa Tholander – „Fremdarbeiter 1939 bis 1945 „Seite 533

* (04) Wilhelm Müller „Meine Verfolgungszeit 1933-1945, Archiv der KZ Gedenkstätte Dachau 3.978

* (05) Bundesarchiv-Militärarchiv Freiburg

* (06) Christa Tholander – „Fremdarbeiter 1939 bis 1945 „Seite 534

* (07) Liste von Häftlingstransporte des KZ Dachau vom 11.12.1944, Archiv der KZ Gedenkstätte Dachau 1012

* (08) Manfred Metzler “ Geheime Kommandosache „Seite 110.

* (09) E-Mail von Dr. Jens-Christian Wagner, Gedenkstätte Buchenwald 6.8.2002

* (10) Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945 (5/2)

* (11) Wilhelm Müller „Meine Verfolgungszeit 1933-1945, Archiv der KZ Gedenkstätte Dachau 5.476

*(12) Christa Tholander – „Fremdarbeiter 1939 bis 1945 „Seite 461 – 465

*(13) Bericht über den Häftlingseinsatz bei den Heinkel Werken in Oranienburg vom 12.4.1943 (BMAM)

*(14) Mitteilung von Dir. Degenkolb vom 29.1.1943

*(15) M. J. Neufeld, Die Rakete und das Reich s. 223)

 

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